ich mag keine linien auf dem papier. sie schreiben mir etwas vor

Trage meine Feinde sanft

Auf ihrem salzig, zitternd Tränenbett

Damit sie nicht mehr irren

Durch falsche Freuden, mit denen sie

von ihrem Kummer lenken.

Bewahre ihre Träume,

als wären sie die deinen

Denn sie sind ihr einzig wärmend Feuer

Das sie in ihren Wüsten hält

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 12.10.2007)

13.11.08 15:23, kommentieren

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Ein Menschlein greift in den Papierkorb

Greift nach Leben

Sucht Hoffnung

Kramt nach Erlösung

Er ertränkt den Schmerz im lieblichen Schlummertrunk

Betet umher, mit faltig blutend Pfote

Nur Gottlose, nur Gottlose

Ein Herr prüft auf seiner Taschenuhr die Zeit

Zeit für Arbeit, Zeit für Glück

Momente der Ablenkung

Zwei Damen schreiten vorbei

Blicken sich nicht um

Plaudern über Nichtigkeiten

Die die ganze Welt betreffen

Ein Menschlein greift in den Papierkorb

Ballt die Fäustchen angestrengt und fällt zu Boden

Selbst hier schweigen die Gottlosen

Das goldene Ührlein bleibt steh’n

Die Verse der Damen verwandeln sich in heiße Luft

Ein Menschlein griff in den Papierkorb

Hob seine Hand und ward nicht enttäuscht

Als diese nur gefüllt mit Nichts

Nur Gottlose

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 2.8.2007)

13.11.08 15:22, kommentieren

Beim Bund

Da kannste watt

Da biste watt

Da machen die großen die kleenen platt

Ja, da biste watt,

wenn die sonst nischt bist

da kannste watt

wenn de sonst nischt kannst

da kriegste ’n Orden

wenn de jut jehorchen kannst

da lernste watt Herrachie is,

wenn de sonst keene Staatsform kennst

Beim Bund

Ja, da biste ener von 1000den Ameisen

Und in ner Gruppe stark,

wenn de sonst keene Gruppe hast

Da sehn se alle glech os

Wenn de sonst nischt weeßt

Da lernste watt zusammen sein heeßt

Und beißt vielleicht

einst mit den andren ins Gras

Da läufste ’nen jemeinsamen Wech,

wenn de sonst keenen hast

Beim Bund

Da biste watt,

wenn du sonst nischt bist

Da kriegste die besten Masken

jeschenkt,

wenn de dich verlierst

Beim Bund

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 12.7.2007)

13.11.08 15:21, kommentieren

Weg zur Freiheit

Schwingst du Klinge

Durch die Winde

Ach was singst ein trau’ges Lied

Von der Freiheit mutger Wille

Die doch viel zu schnell versiegt

Schneidest nur die wachen Kinder

die schon früh dein Kuss gespürt

und auch wieder diese bringen

die schon oft Idee geführt

So reite Heim

Durch schnelle Winde

Kehre ein in jedermann

Beglück all jene

Die nicht sterben

An deines Kusses wahren Klang

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 12.7.2007)

13.11.08 15:21, kommentieren