ich mag keine linien auf dem papier. sie schreiben mir etwas vor

In meiner dunkelsten Stunde

Die Bäume brachen ihre Gebärden,

die Spatzen kreisten wie Geier um sie,

schnitten die Winde

mit ihrem Federkleid.

Nur wo du näher bist,

in meiner dunkelsten Stunde

brachen meine Gebärden,

werd’ ich zum Geier



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 15.05.2009)

1 Kommentar 21.3.10 21:27, kommentieren

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Freiheitsspäher


Bei Regen,

wenn die Stadt ertrinkt

Bin ich wieder

ein Unmensch unter Menschen

Und sehe ich dem Vogel Hause

Und sehne ich des Vogels Heim

Doch immer weiter,

weiter immer

Erspähe ich gar, wie’s dämmert mir

Den einen Vogel, der die Höhen küsst

Und zärtlich er die Winde streicht

Erhaben und voll Demut

er mich späht

Und Gruß zum Danke ich erheb



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16.01.2009)

13.2.09 21:39, kommentieren

Kindheitssterben

Wenn ich über Felder blicke

Die untergehn im sonnend Zorn

Seh ich alte Schatten tanzen

Die da werden neugeborn

Hör meines Kinderlachen

Das der Freunde, voller Geist

Traure ich um diese Kinder

Die heute nur von Angst gespeist

Wie lieblich waren Mutters Küsse

Wenn Wehe unsre Herzen füllte

Und noch der Träume ohne Riegel

In herzbelebten Tanzengüsse

Nahmen alles in die Hände

Die unberührt von Zeitens Leiden

Griffen Zukunft, Jetzt und Morgen

Und blicken heut auf Kriegeswände

Wie oft denk ich an dieses Kind

Das ich einmal sein durft’

So war ich Gott

und nichts gar sterblich

Und heut seh’ ich wie Sand verrinnt

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 07.11.2008)

13.11.08 15:33, kommentieren

Du bist der Pförtner durch mein Ich

So reiste ich durch dunkle Nächte

Ach wie finster sie doch warn

Besuchte mich in eisig Kälte

Ohne Zittern, ohn’ Erbarm

Sah mich mit kindesgleichen Augen

Erkannte sie und fiel hernieder

In meines Schoßes kalt Gebein

War doch ich es

Wieder ... wieder

Doch dann ganz unverhofft

Aus warmen Nebel

Drang deine Hand zu mir empor

Zog „mich“

und „sie“

und „wir“

und „uns“

Noch tiefer in des Nebels Quelle

Wo ich mich ganz und gar verlor

Hier zeigtest du uns Dunkelstunden

Mit denen ich mein Frieden schloss

Küsste sie, und sprach noch Dank

Als mich mein Sein

erneut umschloss

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 08.08.2008)

13.11.08 15:32, kommentieren

Was schrumpft mein Dasein

Bei dem Bilde

Das sich der Stern zu eigen macht

Mein kümmerliches Menschendasein

Wird von Stern und Mond verlacht

Bevor ich noch begriff den Grund

Warum ich wandle auf der Erd

Vorüber meine Lebensstund

Sich nicht ein einz’ger Stern

drum schert

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16.05.2008)

1 Kommentar 13.11.08 15:24, kommentieren

m Traume heut,

ganz leis und sacht

Verstummte ich sehr plötzlich

Am Hass,

der in mir weht

Er steckte meine Träume

mit giftgen Fieber an

So sucht ich doch

ganz bittend den,

der es heilen kann

Die Wände in der Stille

Versprachen mir die Zeit

So sah ich doch nur Schwinden

Und altersmassen Leid

Drücken sie mich

Nacht für Nacht

an mein zitternd ich heran

Stoß ich sie weg,

begegne ich mir

Wo wohl das Schwinden

schon begann


(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 28.12.2007)

1 Kommentar 13.11.08 15:23, kommentieren